Rezensionen

„Belladonna“ von Karin Slaughter

Ihr Lieben,

wenn man ein Buch wiederholt liest, besteht immer das Risiko, dass es doch nicht so spannend sein könnte wie beim ersten Lesen, da man die Geschichte ja schon kennt. Zu „Belladonna“ habe ich bereits vor ca. 15 Jahren gegriffen und die Reihe recht weit gelesen, konnte mich aber kaum noch an etwas erinnern und so war dieser Re-Read für mich, als würde ich eine komplett neue Geschichte entdecken.

Sara Linton ist in der kleinen Stadt Grant County bekannt, denn sie ist nicht nur die örtliche Kinderärztin, sondern fungiert auch als Gerichtsmedizinierin – meist in Zusammenarbeit mit ihrem Exmann Jeffrey, welcher die Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft noch nicht aufgegeben hat. Als sie sich mit ihrer Schwester Tess in einem Diner trifft, findet sie auf der Toilette eine junge Frau, welche in sich zusammen gesackt leblos auf dem WC sitzt – doch der Schein trügt und Sara wird Zeuge eines grausamen Verbrechens. Noch ahnt sie nicht, dass das nur der Anfang ist und mit Erschrecken muss Sara feststellen, dass ihre eigene Vergangenheit näher mit dem Fall verbunden zu sein scheint, als anfänglich gedacht – doch wo ist die Verbindung?

Karin Slaughter schafft es den Leser sofort in ihren Bann zu ziehen. Man hat kaum die erste Seite aufgeschlagen, schon findet man sich mitten im Geschehen wider und entkommt dem Sog der Spannung kaum. Ein leichtes Ranführen an die Story gibt es nicht, man wird schonungslos hineingeworfen. Wenn man Angst hat ein Buch zu erwischen, welches stark anfängt und dann nachlässt, braucht bei Karin Slaughter keine Sorgen haben, denn das geschieht nicht. Die Geschichte nimmt rasant an Spannung zu, auch wenn man das bei einem solchen Start kaum vermuten mag und zieht sich durch das gesamte Buch. Auf keiner Seite hatte ich das Gefühl, dass es zu langsam voran geht oder wartete darauf, dass etwas geschehen würde. Man springt von Szene zu Szene und die Geschichte spitzt sich währenddessen immer weiter zu. Auch wenn man beim Lesen Vermutungen aufstellte, wurden die meistens wieder zerrissen und das Ende kam dann doch überraschend – auch wenn ich die Geschichte schon kannte, ich tappte dennoch im Dunkeln.

Die Protagonistin Sara Linton wirkt auf den ersten Blick wie eine toughe unabhängige Frau, die sich nicht abhängig machen möchte von einem Mann – vor allem nicht von Jeffrey. Doch immer wieder begegnen sich die Beiden, was bei den Berufen auch nicht ausbleibt. Dennoch schafft Sara es ihre Vergangenheit vor Jeffrey geheim zu halten und ihn nicht mit der grausamen Wahrheit zu konfrontieren. Man ist sich als Leser nie sicher, wie gut Jeffrey Sara wirklich kennt, ob alles nur oberflächliches Gekratze ist oder er Sara doch lesen kann wie ein Buch. Sara gibt sich stark und erlaubt sich keine Schwächen, wirkt jedoch genau deshalb auch immer wieder sehr zersträubt und mit den Gedanken ganz woanders. Jeffrey hingegen scheint das Leben leicht zu nehmen, aber wenn es drauf ankommt, übernimmt er Verantwortung. Eigentlich scheinen die Beiden auch perfekt zueinander zu passen – es ist ihnen wohl selbst nur einfach noch nicht klar.

Ich für meinen Teil kann an dem Buch nichts finden, was es negativ zu kritisieren gäbe. Es ist für mich einfach ein perfekter Thriller, der lust macht mehr ihrer Werke zu lesen. Einzig die fehlenden Absätze zwischen einzelnen Szenen haben mich ab und an verwirrt, aber das hat nichts mit der Geschichte selbst zu tun und fällt für mich daher für die Bewertung raus. Ich bin sehr glücklich wieder in die Grant County Serie abgetaucht zu sein und hoffe diesmal bis zum Ende dabei zu bleiben, denn Karin Slaughter versteht es ihre Leser zu unterhalten.

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