Rezensionen

„Der Klang des Herzens“ von Jojo Moyes

Ihr Lieben,

die meisten von uns werden „Ein ganzes halbes Jahr“ von Jojo Moyes kennen und dabei viele Tränen vergossen haben – ich definitiv auch. Auch ein paar andere ihrer Bücher habe ich gelesen und war begeistert, weshalb ich an „Der Klang des Herzens“ mit großen Erwartungen ran gegangen bin. Ich wurde zwar nicht enttäuscht, denn das Buch hat mir alles in allem gut gefallen, aber dennoch hat mir etwas entscheidendes gefehlt, was ich von ihren Büchern gewohnt bin –> Gefühle, die einen fast zu erdrücken drohen. Doch dazu später mehr.

In diesem Buch begleiten wir Bee, welche nach dem tragischen Verlust ihres Mannes ihr Leben mit den beiden Kindern kaum auf die Reihe bekommt. Sie ist in ein tiefes Loch gefallen und weiß nicht, wie sie da je wieder herauskommen soll. Als sie von ihrem Großonkel ein riesiges Anwesen erbt, sieht sie darin ihre Chance, den Schuldenberg, den ihr Mann ihr hinterlassen hat, zum Großteil loszuwerden und entschließt sich dazu – sehr zum Ärgernis ihrer Kinder – in den kleinen Ort zu ziehen, in welchem sie niemanden kennt. Sie lernt eine menge Leute kennen, aber nicht jeder freut sich über ihr Erscheinen im Ort und so beginnt ein Spiel voller Hinterlist, Verrat, Lügen und Betrug – mittendrin Bee, welche davor die Augen verschließt und die Bewohner des Ortes, die sich nicht trauen, sich einzumischen. 

Die Geschichte hatte viel Potenzial und es hat mir auch Spaß gemacht den Weg zu verfolgen und zu sehen, wie sich alles zuspitzt und nur auf ein Ende hinauslaufen kann – ich hatte definitiv tolle Lesestunden – aber es wirkte oft nur oberflächlich, man bekam nicht das Gefühl, dass Moyes sehr in die Tiefe der einzelnen Charaktere ging, was ich bei ihr mehr gewohnt war. Bee ist für mich eine Protagonistin, mit welcher ich nicht klar kam, denn sie muss Verantwortung übernehmen, ist sich dieser aber kaum bewusst, macht was sie will und verschließt vor vielen Dingen die Augen. Sie wirkt sehr naiv, was in ihrer Situation fatale Folgen haben kann und man hatte immer öfter das Gefühl, dass ihre 15-jährige Tochter Erwachsener ist als die Mutter selbst. Immer im Mittelpunkt steht ihre Geige, die ihr wichtiger zu sein scheint als ihre Kinder und sobald Probleme kommen, verkriecht sie sich um Geige zu spielen, flüchtet sich regelrecht in ihre eigene kleine Welt. 

Aber es war auch schön zu lesen, wie Freundschaften entstanden und auch durch erschütternde Offenbarungen nicht zerbrachen. Der Ort scheint im Großen und Ganzen zusammen zu halten und zu seinen Bewohnern zu stehen, auch wenn es ab und an seine Zeit braucht, bis diese das einsehen und diesen Zusammenhalt auch demonstrieren.

Der Schreibstil von Jojo Moyes war aber wieder gewohnt angenehm, so dass ich nur so durch die Seiten geflogen bin und das Buch binnen eines Tages durchgesuchtet habe, da ich es nicht aus der Hand legen wollte und konnte. Es war ein schöner leichter Roman, der etwas mehr Tiefe hätte vertragen können, aber dennoch lesenswert ist.

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