Rezensionen

„I am Elektra“ von Christian Handel

Ihr Lieben,

2019 war „Becoming Elektra“ von Christian Handel ein Jahreshighlight für mich. Ich habe dieses Buch abgöttisch geliebt und war wirklich traurig, dass es nur ein Einzelband sein sollte, da die Story in meinen Augen viel Potential brachte. Als es dann hieß, es kommt doch ein zweiter Band, konnte ich glücklicher kaum sein, hatte aber durch den Reihenauftakt auch sehr hohe Erwartungen an die Fortsetzung. Ob diese erfüllt wurden?

Während Band 1 von Isabel, Elektras Klon, handelte und wie diese auf ihrem Weg begleitet haben, dreht sich Band 2 um Elektra selbst, die plötzlich erwacht und sich an nichts erinnern kann, was mit ihrem Unfall zu tun hat. Sie erkennt, dass sie sich im Ferienhaus ihrer Familie befindet, merkt aber schnell, dass etwas nicht stimmt. Wo kommt plötzlich diese Narbe an ihrem Bauch her? Warum sieht sie so ausgemergelt aus? Und wer ist Nachts in ihrem Zimmer und hinterlässt diese merkwürdigen Botschaften? Plötzlich beginnt ein Kampf gegen die Zeit und Elektra weiß nicht, wem sie vertrauen kann.

Wie bereits erwähnt, waren meine Erwartungen an diese Fortsetzung hoch. Das Buch fing auch unglaublich gut an und ich habe mich, trotzdem Band 1 bei mir schon eine Weile zurückliegt, schnell wieder zurechtgefunden. Gleich die ersten Kapitel bauten eine tolle Spannung auf und ich wartete nur darauf, dass es genau so auch weitergehen würde. Nur leider hatte ich mehr und mehr das Gefühl, dass die Geschichte anfing, sich zu ziehen. Viele Gedanken wurden oft wiederholt und so wirklich passiert ist in der Zwischenzeit nicht. Sobald die Handlung spannender wurde und ich hoffte, dass nun so langsam meine Gefühle wie im ersten Band wieder hervorkommen können, waren diese Momente schnell wieder vorbei. Dieses Buch besteht aus sehr vielen Gedanken und Gesprächen, aber für mich leider aus zu wenig Handlung – dabei wollte ich es so sehr genauso lieben wie den ersten Band. Aber leider wurde das Potential der Geschichte hier nicht so ausgeschöpft, wie es hätte sein können, denn das, worauf dieses ganze Buch hinauslief – das, wofür wir alle eine Lösung bekommen wollten – genau das war einfach zu schnell abgehandelt. Auch blieben für mich einige Dinge offen, die nicht wirklich geklärt sind und lassen mich damit etwas enttäuscht zurück.

Ansonsten ist das Buch wieder in Christians angenehm lockerem Schreibstil geschrieben, dass man nur so durch die Seiten fliegt, auch wenn ich nicht so gefesselt war, wie ich es sonst von seinen Büchern gewohnt bin. Aber er hat eine tolle Art, seine Bücher aufzubauen und man verliert auch nicht die Lust am Lesen, sondern möchte einfach immer mehr aus seiner Feder entstehen sehen.

Auch die Charaktere sind gut ausgearbeitet, sodass sogar Elektra – die immer als sehr kalt und egoistisch hingestellt wird (was sie teilweise auch ist) – mir nach und nach immer sympathischer wurde und ich ihre Gefühle oft nachvollziehen konnte. Sie entwickelte sich zu einem tollen Charakter, der mehr und mehr über die Situation nachdachte und sich somit der Suche nach der Lösung auch im Interesse der anderen angeschlossen hat.

Isabel wirkte sehr unnahbar und war mir nicht so sympathisch, wie ich sie im ersten Band empfunden hatte. Ob damit nur die Unterschiede zwischen den einzelnen Charakteren gezeigt werden wollte oder ob sie sich einfach durch ihr neues Leben so verändert hat, das weiß ich nicht, aber sie war nicht mehr die, die wir aus dem vorigen Band kannten.

Mein Lieblingscharakter ist aber nach wie vor Hektor, denn auch wenn er unter allen Umständen seine Schwester retten möchte, hat er angefangen an vielem zu zweifeln und sich auch für die Interessen der Klone einzusetzen. Er macht sich stark für diejenigen, die es selbst nicht können und dafür bewundere ich ihn sehr.

Auch wenn mich dieser Band nicht so überzeugen konnte wie sein Vorgänger, kann ich die Reihe dennoch sehr empfehlen, denn es ist eine toll ausgearbeitete Welt und ich würde mich dennoch über weitere Bücher aus dieser freuen.

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