Rezensionen

„Jene Nacht ist unser Schatten“ von Amy Giles

Ihr Lieben,

so schwer das Thema oft auch ist, ab und an lese ich doch auch gern mal Romane, in welchen es um Trauerbewältigung geht, weil diese Bücher oft hoch emotional sind und mir vorher schon bewusst ist, dass ich definitiv Taschentücher brauchen werde. Das dachte ich auch vor Beginn von „Jene Nacht ist unser Schatten“ von Amy Giles, welches ich mit meiner guten Freundin Yvonne zusammen gelesen habe – abschließend hatten wir beide in etwa die gleiche Meinung zum Buch, aber dazu später mehr.

In dieser Geschichte begleiten wir Jess und Lucas, welche beide bei einer tragischen Massenschießerei vor einem Jahr ihre Brüder Ethan und Jason verloren haben. Während Lucas noch immer Schuldgefühle für das hat, was geschehen ist und seine Eltern sich über vorsorglich um ihn kümmern, ist Jess mit Ihrer Trauer komplett allein, da ihre Mutter aus der schweren Depression nicht hinausfindet. Als Beide sich treffen, keimt der Schmerz wieder auf, doch zusammen fühlen sie sich besser. Aber haben sie ein recht darauf wieder glücklich zu werden?

Als ich begann zu lesen, habe ich einige Seiten gebraucht, um mich zurecht zu finden, da es immer abwechselnd aus der Sicht von Jess und Lucas geschrieben ist. Normalerweise habe ich damit keine Probleme, aber hier fand ich mich nicht gleich zurecht. Ziemlich schnell merkte ich beim Lesen jedoch, dass beide Protagonisten komplett unterschiedlich mit der Situation umgehen und sich auch ihre Leben nicht größer hätten unterscheiden können. Während Jess komplett auf sich allein gestellt ist, sich selbstständig um wirklich alles kümmern muss und nun auch noch einen Job sucht, damit sie die vielen offenen Rechnungen von sich und ihrer Mutter bezahlen kann, hat Lucas alles, was man zum Leben braucht – und mehr. Seine Eltern passen bei jedem Schritt auf, den er geht und bei dem kleinsten Unwohlsein wird Lucas von seiner Mutter zum Arzt geschickt.

Doch beide Charaktere haben neben dem, was bei ihnen im normalen Alltag los ist, noch lange nicht damit abgeschlossen, dass sie einen wichtigen Menschen in ihrem Leben vergessen haben. Beide kämpfen jeden Tag dagegen an und beide fühlen sich auf ihre Art allein, da es niemanden gibt, der sie wirklich versteht. Diese Einsamkeit war beim Lesen spürbar, dennoch habe ich im gesamten Buch eine gewisse Emotion vermisst. Während andere das Buch als hochemotional beschreiben, kann ich das für mein Empfinden leider nicht bestätigen. Ich fand es toll zu sehen, wie Jess und Lucas sich näher kennenlernten, einander anvertrauten und jemanden fanden, mit dem sie sich austauschen können – jemanden, der sie versteht. Aber es ging nicht so sehr in die Tiefe, wie ich es mir bei einem solchen Thema gewünscht hätte. 

Zwischendurch hatten Yvonne und ich auch eine ganze Weile das Gefühl, dass die Geschichte etwas vor sich hin plätschert, da in der Handlung nicht viel passierte und wir nicht wussten, wo das Buch nun hin möchte. Während man bei anderen Büchern in etwa schon das Ziel der Geschichte vor Augen hat, was es hier nicht wirklich klar zu sehen. Es zeigte „lediglich“ den Alltag zweier junger Menschen, die versuchen wieder zurück ins Leben zu finden.

Im Endeffekt hat es aber so gepasst wie es war. Auch wenn ich mir mehr vom Geschehen erhofft hatte und auch mehr Tiefe gewünscht hätte, ist es dennoch ein Buch, was vor allem vielen jüngeren Lesern und Leserinnen gefallen wird, welche noch nicht viele solcher Bücher gelesen haben.

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