Rezensionen

“Die unglaubliche Flucht des Uriah Heep” von H. G. Parry

Ihr Lieben,

seit ich vor vielen Jahren durch Funke’s Tinten-Trilogie die Liebe zum Lesen entdeckt habe, freue ich mich immer Bücher zu lesen, in welchen die fiktiven Charaktere aus ihren Geschichten schlüpfen können und so zum Leben erwachen. Demnach kam ich an “Die unglaubliche Flucht des Uriah Heep” nicht vorbei, auch wenn die Geschichte, welche mich hier erwartet hat, anders war, als der Klappentext vermuten ließ. 

Robert und Charles Sutherland sind Brüder, die scheinbar nicht mit und nicht ohne einander leben können. Sie brauchen sich und auch, wenn sie das niemals zugeben würden, fehlt ihnen etwas, wenn der andere nicht in greifbarer Nähe ist. Doch Charles, welchen alle nur Charly nennen, ist anders als sein Bruder. Er hat die Gabe die Figuren aus seinen Büchern zum Leben zu erwecken – ob gewollt oder ungewollt spielt dabei keine Rolle, denn plötzlich stehen sie einfach neben ihm. So auch Uriah Heep, der Bösewicht aus Dickens Werk “David Copperfield” und im Gegensatz zu anderen Charakteren möchte dieser nur ungern zurück in seine Geschichte verschwinden. Ein Abenteuer beginnt, denn nun heißt es für die Brüder den “Beschwörer” zu finden, dass ihre Welt, wie sie sie kennen, nicht plötzlich ein böses Ende findet.

Dieses Buch zu lesen war anders als so viele Bücher, die ich vorher zur Hand genommen habe. Es besticht nicht nur durch seine Länge, denn mit knapp 600 Seiten und – für mein Empfinden – relativ klein gehaltener Schrift, taucht man in eine Welt ab, welcher man als Leser nicht mehr so schnell entfliehen kann. Ich bin es nicht gewohnt, solch dicken “Schinken” zu lesen und so war es schon eine kleine Überwindung damit zu starten – auch wenn ich mich direkt in das Cover verliebt hatte und unbedingt wissen wollte, was mich dort wohl erwarten würde.

H.G. Parry hat einen unglaublich humorvollen und doch fesselnden Schreibstil, welcher das Lesen des Buches so leicht macht. Man flog nur so durch die Seiten und wollte immer weiter lesen um zu erfahren, wohin die Reise wohl führen würde. Klar hatte es auch seine Längen, was bei der Dicke des Buches nicht all zu verwunderlich ist, jedoch hatte man nicht das Gefühl in der Geschichte auf der Stelle zu treten und nicht weiter zu kommen. Es war durchweg spannend und ließ uns als Leser in eine Welt eintauchen, die man so schnell nicht wieder vergisst.

Charly war für mich ein Protagonist, den ich einfach nur knuddeln wollte. Er war auf eine sehr liebenswerte Art und Weise tollpatschig und verpeilt und das machte es mir als Leser es sehr leicht, ihn auch zu mögen. Robert wirkte dagegen auf den ersten Blick etwas hart und abgestumpft, jedoch merkte man schnell, wenn man es denn zugelassen hat, dass unter dieser harten Schale einfach die Sorge um seinen Bruder einen großen Platz eingenommen hat und er für Charly nur das Beste wollte.

Was ich ein wenig zu bemängeln habe – mir aber das Lesevergnügen deshalb nicht weniger Spaß gemacht hat – ist, dass man zeitweise das Gefühl hatte, jedes Werk von Charles Dickens kennen zu müssen, um die Verbindungen der Buchcharaktere auch wirklich verstehen zu können. Diese Bücher spielen eine elementare Rolle im Geschehen und es ist definitiv nicht von Nachteil, wenn man die Geschichten kennt und weiß, wie sie zusammen gehören.

Ansonsten kann ich zu dem Buch nur sagen, dass ich es immer wieder lesen würde und demnach jedem empfehlen kann, der gern auf Abenteuer mit bekannten Buchcharakteren geht.

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