Rezensionen

“Der Winter des Propheten” von Håkan Östlundh

Ihr Lieben,

viele Leser und Leserinnen haben immer mal wieder von schwedischen Krimis und Thrillern geschwärmt, ich hab mich aber nie so wirklich rangetraut, obwohl ich das Land selbst sehr liebe. Als ich “Der Winter des Propheten” zufällig entdeckt habe, wurde ich jedoch sehr neugierig, da mich sowohl das Cover als auch der Klappentext direkt angesprochen haben und ich gerne wissen wollte, was es mit der Geschichte von Håkan Östlundh auf sich haben wird.

Klappentext: In einem Hotel in Sarajevo verbringt die schwedische Diplomatin Ylva Grey ein Schäferstündchen mit ihrem Kollegen Anders Krantz. Kurz darauf trennen sich die beiden, sodass Anders allein in der Lobby ist, als dort eine Bombe explodiert. Unterdessen versucht im winterlichen Uppsala der Student Elias Krantz verzweifelt, seinen Vater zu erreichen – und muss von dessen Tod erfahren. Ylva, die mit dem Leben davongekommen ist, nimmt Kontakt zu Elias auf. Gemeinsam wollen sie herausfinden, was hinter dem heimtückischen Anschlag steckt. Und müssen im Kreuzfeuer von Geheimdiensten, Regierungen und mächtigen Unternehmern sehr bald um ihr Leben laufen…

Das Buch begann direkt spannend, ohne große Einleitung – was ich sehr gut fand. Es ist definitiv anders als Thriller, die ich bisher gelesen habe – vielleicht etwas düsterer, aber auch ruhiger – es ist schwer zu beschreiben. Mir hat die Atmosphäre im Buch einfach gefallen – ich habe mich irgendwie wie in den schwedischen Wäldern gefühlt, als wäre ich wirklich vor Ort. Der Autor hat es geschafft, alles, was um die Protagonisten herum passiert und zu sehen ist, bildhaft in die Handlung einzuarbeiten, ohne dabei zu detailliert zu beschreiben – was ja doch schnell langweilig werden kann.

Auch die Hintergründe der einzelnen Protagonisten erfährt man nach und nach, Dinge werden während des Geschehens aufgeklärt und wir lernen Ylva und Elias immer mehr kennen und können dennoch nicht einschätzen, wie sie sich wohl verhalten werden, da sie Beide für die ein oder andere Überraschung gut sind. Ich selbst konnte jedoch zu Beiden keine wirkliche Bindung aufbauen, da sich vor allem Elias sehr wechselhaft verhalten hat – mal hatte ich das Gefühl von einem Mann zu lesen, der weiß, was er will – und in der nächsten Situation stand gefühlt ein Junge vor mir, der nicht weiß, wohin er gehört. Ich kann das auch irgendwie nachvollziehen, da mit seinem Vater nun auch die letzte Person seiner Familie gestorben ist, aber für mich fühlte es sich nicht immer so an, als würde es zum normalen Trauerprozess gehören – es passte irgendwie nicht so ganz – aber das ist einfach Geschmackssache. Ylva hingegen kam mir immer wieder sehr kühl und unnahbar vor, auch die Trauer um Anders berührte mich leider kaum. Sie war ein Charakter, den ich nicht wirklich verstanden habe und wo ich auch nach dem Lesen noch nicht so richtig weiß, wo dieses Bestreben der Aufklärung von Anders’ Tod hergekommen ist.

Alles in allem ist dies ein Buch, was sich wirklich gut lesen gelassen hat und auch den Fall selbst und dessen Aufklärung fand ich vom Grundsatz her toll. Streckenweise war es etwas langatmig, aber das kann auch an der Gelassenheit der Schweden liegen, die sich hier einfach widerspiegelt. Dennoch möchte ich nun auch die weiteren Bände lesen und bin gespannt, wo uns die Reise mit Elias noch hinführen wird.

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